Dienstag, 23. April 2013

London April 2013


In diesem Jahr besuche ich meine Lieblingshauptstadt dreimal. Gestartet habe ich mit einem Tagestripp am 19.4. Diesmal war mehr Sightseeing angesagt, denn in unserer Vierergruppe gab es zwei Londonneulinge und zumindest von einer weiß ich ganz sicher, dass es für sie nicht der letzte Ausflug dorthin war.

Der Tag begann wie so viele, an denen ich nur für einen Tag nach London wollte. Mit dem ersten Flieger, wieder die kleine Propellermaschine von Air Berlin, sollten wir um 6.30 Uhr morgens starten. Nun jeder, der schon einmal eine Reise mit dem Flugzeug angetreten hat, weiß, was das bedeutet. Aber die Vorfreude hat die Morgenmüdigkeit sehr schnell vertrieben. Einigermaßen pünktlich sind wir dann auch abgeflogen und durch die Zeitumstellung waren wir gegen 7 Uhr in London Stansted. Diesmal klappte es mit der Weiterfahrt sehr gut. Flott ging es zur Liverpool Street Station. Auf den Weg dahin fuhren wir ja an einem kleinen Kanal entlang und ich war wie immer begeistert über die Siedlungen, wo die Häuser bzw. die Gärten am Kanal lagen und die Bewohner ein Boot am Haus oder Garten liegen hatten. Es wirkt alles sehr idyllisch. Leider haben wir auf der „falschen“ Seite im Zug gesessen und konnten das nicht so genau sehen, deshalb haben wir uns vorgenommen auf der Rückfahrt den Sitzplatz auf der anderen Seite einzunehmen. Aber nun hieß es, erst mal in London richtig ankommen und den Tag dort genießen. 

Diese kleinen Siedlungen am Kanal wurden durch größere Vororte abgelöst, mal hübsch mal weniger schön. Dann folgen Industriegebiete, die in keiner Stadt schön aussehen. Aber die wurden einfach nicht beachtet, denn die Skyline ist viel interessanter. Das sind nicht einfach nur Hochhäuser, nein, sie wurden beeindruckend gestaltet. Auf meinen Bildern, die ich hinter diesem Bericht einstelle, können auch diese Gegensätze der alten niedrigen und hohen neuen Häusern betrachtet werden.
Nachdem ich vor einiger Zeit herausgefunden habe, dass der Bus mit der Nummer 11 eine wunderschöne Strecke durch die Stadt fährt, starte ich dort gerne mit der Tour. Zum Glück konnten wir oben im Bus die vorderen Plätze belegen und hatten außerdem auch eine ganz tolle Sicht auf alles. Wir als Besucher konnten ganz entspannt die Londoner betrachten, die alle auf dem Weg zur Arbeit waren. Es gab aber auch viel zu sehen. Immer wieder staune ich und erwähne es wohl auch jedes Mal, wie viele Radfahrer unterwegs sind. Denn der morgendliche Berufsverkehr ist dort nicht zu verachten. Meine Bewunderung geht auch an die Busfahrer, die müssen eine wahnsinnige Ruhe besitzen. Soooo langsam, wie es für sie voran geht. Für uns war das natürlich klasse, denn so hatten wir Zeit alles in Ruhe zu sehen und ich konnte auch wieder jede Menge Fotos machen. Die einzigen Regentropfen an diesem Tag fielen auf die Busscheibe, als wir an der St. Paul’s Cathedral vorbei fuhren. Aber gleichzeitig konnten wir auch blauen Himmel sehen und waren deshalb sehr optimistisch, was das Wetter betraf.
In diesem Jahr fiel mir auf, dass es unwahrscheinlich viele Baustellen gab und viele Baukräne zu sehen waren. Auch hatten  viele historische Bauten Gerüste. Ich bin ja mal gespannt, wie es im September aussehen wird, wenn ich wieder in London bin.
Aber ich schweife ab, zurück geht es zur Busstrecke, im Bankenviertel waren die Berufstätigen zu Fuß auf dem Weg zur Arbeit. An der St. Paul’s Cathedral standen noch die Absperrgitter von der Trauerfeier am Mittwoch, aber es waren schon viele Arbeiter unterwegs, um  diese Gitter wieder einzusammeln. Weiter ging die Fahrt durch die Fleet Street, vorbei an den  Royal Courts of Justice, weiter über Strand, zu sehen ist der schöne Bahnhof Charing Cross, am Trafalgar Square war schon viel los. Kurz einen Blick durch das riesige Tor über The Mall Richtung Buckingham Palast und schon biegt der Bus in Whitehall ein. Vor dem Tor bei den Horse Guards stand einsam eine Wache, naja nicht ganz einsam viele Touristen ließen sich mit ihm fotografieren. Wir sollten ihn später noch einmal sehen können. Die Downing Street, seit Jahren abgesperrt, wurde auch wieder gut bewacht. Und nun endete die Bustour. Aber der erste Eindruck für unsere neuen Londonbesucher war schon einmal überwältigend. Gerade auf dieser Strecke sieht  man sehr viele bekannte und historische Gebäude und Straßennamen.

Ausgestiegen sind wir am Parlament Square und nach ein paar Schritten bietet sich ein toller Anblick auf den Glockenturm. Ich habe natürlich auch sofort wieder ein Foto gemacht und zu Hause fiel mir auf, dass ich meist zu dieser Zeit dort bin. Viertelstündlich wird die Zeit geschlagen und so konnten wir auch diesen berühmten Ton hören. Ein Stück auf die Brücke zu gehen gehört auch zur Pflicht, zumal sich dort ein sehr guter Ausblick auf das Parliament House und auf der anderen Seite zum London Eye bietet.

Nach der längeren Busfahrt ging es nun zu Fuß weiter. Hatten wir zuvor die Downing Street und Horse Guards schon aus dem Bus heraus sehen können, konnte dies noch einmal in Ruhe betrachtet werden. Es ist ja auch so, dass der Bus immer dann, wenn man länger schauen möchte, schnell an dieser Stelle vorbei fährt. So konnten wir die Größe des Paradeplatzes bestaunen und den jungen Wachsoldaten auch bei der Arbeit beobachten. Er musste nämlich seinen Platz vorne an der Straße mal verlassen und am hinteren Tor Wache schieben. Als wir kamen, durfte er wieder nach vorne gehen. Erstaunlich, dass er in diesen Stiefeln sich so gut fortbewegen konnte. Allerdings sah er nicht besonders glücklich aus, als ich ein Foto machte. Ich denke mir auch, dass dies durchaus kein leichter Job ist.  Er musste dort stehen bleiben, wir durften weitergehen und haben hinter dem Admiralty Arch The Mall betreten. Diesmal sah die Prachtstraße besonders schön aus. Die eine Straßenseite war geflaggt und natürlich habe ich das fotografiert. Ebenfalls die schönen Narzissenbeete im St. James Park. Wunderschöne Frühlingsbilder konnte ich dort machen. Auch dort gab es einen strengen Winter und die Natur hatte nun einiges aufzuarbeiten. Vor dem Buckingham Palast waren wieder sehr viele Touristen zu finden. Es war ein sehr interessanter Sprachenwirrwarr. Aber wir wollten uns dort nicht lange aufhalten. Zumal der Wachwechsel erst viel später stattfinden würde.
In dieser großen Stadt, in der es sehr hektisch zu geht, finden sich immer wieder Plätze, größere oder kleine, wo es ruhig zugeht und man  auch nicht das Gefühl hat, in einer Millionenstadt zu sein. Dies hatten wir im Green Park, durch den wir Richtung Hard Rock Cafe gingen. In dem dazugehörigen Shop gibt es so viele schöne Geschenke, mit denen man zu Hause Freude bereiten kann.

Langsam bekamen wir aber Hunger und so steuerten wir unser nächstes Ziel an: das berühmte Kaufhaus Harrods. Aber dort wollten wir nicht unbedingt etwas essen, lieber uns nur an den tollen Essensangeboten in der Food-Hall ergötzen. Damit das nicht schief geht, denn hungrig sollte man das nicht machen, haben wir uns in einer netten Boulangerie gegenüber gestärkt. Da ist mir auch wieder aufgefallen, dass sich einiges in dem Verhalten geändert hat. Als ich in den 80er Jahren in London war, musste ich mich immer mit meinem Schulenglisch abmühen und es war keine Hilfe zu erwarten. Wenn jetzt die jungen Londoner mitbekommen, dass wir aus Deutschland sind, dann bringen sie gerne strahlend ihre deutschen Worte an. Als wir gingen, haben sie uns mit einem strahlenden „Auf Wiedersehen“ verabschiedet. Auch im Harrods stellte ich wieder fest, wie gut das Personal geschult ist und wie freundlich die Kunden an den Kassen behandelt werden. Da wird nicht nur mit einem einfachen „Hallo“ gegrüßt, sondern ein „How are you“ folgt meistens. Im Hardrock Cafe Shop wurde ich meist an der Kasse auch gefragt, woher ich komme, wie lange ich bleibe und oft genug wurde gestaunt, dass ich nur einen Tagesausflug nach London machte.
Nach unserem Bummel im Harrods und unserer Feststellung, dass einige Sachen doch einige Monatsgehälter von uns kosten, sollte es nun wieder eine Fahrt in die Vergangenheit werden. Wer hat nicht  in den Geschichtsbüchern oder historischen Romanen etwas über London gelesen. Der Tower ist den meisten wohlbekannt. Ich finde die Gemäuer auch immer wieder beeindruckend und stelle mir vor, wie sich dort die Gefangenen gefühlt haben müssen, von denen ja nicht wenige adelig waren.
In unmittelbarer Nähe befindet sich die Tower Bridge und hier sollte man auch einige Schritte in Richtung Brückenmitte gehen, denn von dort bietet sich wieder ein toller Anblick, auf den Tower und die Silhouette der Stadt.
Dank der Londoner Tube können Entfernungen schnell zurückgelegt werden und man kommt auch zügig von einer Stelle zur nächsten. Ich staune auch hier immer wieder, wie komplex dieses Netz unter der Erde ist. Es muss verwirrend aussehen, so viele Strecken und Gänge und Treppen und Aufzüge. Und vor allem ist das alles ja nicht in der letzten Zeit gebaut worden, sondern teilweise über 100 Jahre alt. Nun, wir konnten von der Station Tower Hill bequem zum Piccadilly Circus fahren. Diesen Platz sollte man auf jeden Fall gesehen haben. Am besten am Tage und noch einmal am Abend, wenn die Reklame so richtig schön wirkt. Aber bei einem Tagestripp hat man nicht die Wahl.
Auf der Treppe rund um Eros sitzen immer sehr viele Touristen und lassen sich auf Bildern verewigen. Wir wollten uns dort aber nicht lange aufhalten, sondern uns nun wieder zu Fuß zu einigen Sehenswürdigkeiten begeben. Die Regent Street mit diesen riesigen Häuserzeilen und tollen Geschäften war als erstes dran, dann hieß es abbiegen Richtung Carneby Street. Die meiner Meinung aber ihren Reiz verloren hat und viele gehen dort nur mal vorbei, weil sie den Song der 60er Jahre noch im Ohr haben.
Das Kaufhaus Liberty, nicht nur von außen sondern auch von innen beeindruckend anzusehen, lag auf dem Weg zum berühmten Stadtteil Soho. Beeindruckender als Soho war Chinatown. Das Tor und auch das Straßenschild mit den chinesischen Schriftzeichen habe ich natürlich auch im Bild festgehalten. Also, wer dort seinen Hunger nicht loswird, ist es selber schuld. Aber wir hatten ja noch nicht wieder Hunger, sondern wollten nun zum Covent Garden. Mein absoluter Lieblingsplatz in London. Wie immer waren reichlich Künstler unterwegs. Mittlerweile „kenne“ ich schon einige und deren Plätze. Da für uns aber ausruhen und sitzen angesagt war, haben wir den Künstler vor der großen Halle nicht beachtet und uns einen Platz drinnen gesucht. Meinen Cappuccino konnte ich bei Arien aus italienischen Opern genießen. Der junge Mann, der uns damit erfreute, hatte eine wirklich gute Stimme.
Wie immer beginnt auf einmal die Zeit zu rasen und wir mussten genau ausrechnen, wozu wir noch Zeit haben, denn bis zum Flughafen war es ja doch eine Strecke zu fahren und zu spät wollten wir ja auch nicht ankommen. Obwohl ich meinem Stempelshop nun so nahe war, habe ich darauf verzichtet, mir einen bestimmten Stempel zu kaufen. Aber ganz so schwer fiel es mir nicht, weil ich weiß, dass ich im September für einige Tage in London sein werde ich und hoffe und gehe davon aus, dass ich ihn dann auch noch kaufen kann. Trotzdem gebe ich zu, dass ich etwas sehnsüchtig in die Richtung des Shops geschaut habe.
Auf unserem Plan stand jetzt nämlich noch ein traditionelles Essen in einem dafür sehr bekannten Restaurant: Fish and Chips in The Rock And Sole Plaice. Mir hat es dort sehr gefallen und auch sehr gut geschmeckt. Man sollte dort aber so richtig hungrig hingehen, denn die Portionen fallen nicht klein aus. So gestärkt konnten wir den Rückweg antreten. Zunächst Richtung Liverpool Street Station und dann wieder mit dem Express zum Flughafen. Das Wetter hat es an dem Tag wirklich gut mit uns gemeint, nun, ein paar Wolken weniger hätte ich nicht schlecht gefunden, aber wir waren ja froh, dass es nicht geregnet hat.
Es war mal wieder ein rundherum schöner Tag. Leider verfliegt die Zeit so schnell und viele schöne Plätze konnten an diesem Tag nicht besucht werden, aber es soll ja noch den einen oder anderen Grund für den nächsten Besuch geben. Mit dem Flugzeug ist man so schnell dort und kann es manchmal so gar nicht fassen. Vor einer Stunde war man noch in einer pulsierenden Millionenstadt und schon befindet man sich wieder auf den Weg nach Hause.
Wer nun noch Lust nach diesem langen Bericht hat, kann anhand der Bilder einen Teil unseres Weges nachvollziehen.